Crack in Olten: Zwischen Rausch und Realität
Am 10. März zeigte das Fernsehen SRF den Dokumentarfilm Endstation Crack – Menschen zwischen Rausch und Elend. Die Oltner Journalistin Rahel Lenz porträtiert darin einfühlsam das Leben von Cracksüchtigen in unserer Stadt. Mit ihrer Kamera begleitet sie Konsumierende auf Schritt und Tritt – von der Beschaffung der Droge bis in ihre Wohnungen. Gerade uns Oltner:innen eröffnet der Film aufschlussreiche Einblicke in eine sonst wenig sichtbare Szene. Er zeigt, was in den Räumen der Suchthilfe Ost geschieht, und lässt uns das Elend der Betroffenen miterleben.
Doch wie gravierend ist das Crackproblem in Olten wirklich? Ursula Hellmüller, Geschäftsführerin der Suchthilfe Ost, bestätigt: Crack hat sich in den vergangenen Jahren zur dominanten Droge in der Oltner Szene entwickelt. Allein 2024 ist der Konsum in den Räumen der Suchthilfe um rund 30 % gestiegen. In der Region Olten leben laut Hellmüller rund 30 regelmässige Konsument:innen.

Crack ist jedoch nicht nur in Olten ein Problem. Letzten Herbst machte die ausufernde Crackszene im Churer Stadtpark und in anderen Städten Schlagzeilen. In Chur fordert Stadtrat Patrik Degiacomi nun eine kontrollierte Abgabe von Kokain, um die Situation in den Griff zu bekommen – ein Vorschlag, den auch Ursula Hellmüller unterstützt. Der Hintergrund: Crack wirkt extrem aufputschend. Süchtige bleiben oft tagelang wach, vernachlässigen ihre Ernährung und verfallen schnell in einen kritischen körperlichen Zustand. Eine kontrollierte Abgabe könnte den Beschaffungsdruck lindern und den Betroffenen mehr Stabilität verschaffen – eine Voraussetzung, um sie für Therapien zu gewinnen.
Im Oltner Stadtbild bleibt die Crackszene Olten weitgehend verborgen. Mikrodeals und Konsum finden meist in der Suchthilfe oder im privaten Raum statt. Das hat laut Hellmüller auch mit der wirksamen Repression zu tun: In der überschaubaren Oltner Szene kennt die Polizei die Konsument:innen gut und greift gezielt ein, wo es nötig ist. Zudem trägt die aufsuchende Gassenarbeit dazu bei, Betroffene vor Ort zu unterstützen

Ein zentraler Baustein im Kampf gegen Crack bleibt die Prävention. Doch Hellmüller betont, dass diese nicht nur auf Crack fokussiert sein sollte, sondern vor allem die allgemeine Resilienz junger Menschen stärken müsse. Wer früh lerne, Konflikte zu bewältigen und mit Rückschlägen umzugehen, sei weniger anfällig für Suchtverhalten.
Mit Endstation Crack ist Rahel Lenz ein eindringlicher Film gelungen, der die Realität einer unsichtbaren Szene in den Fokus rückt. Er zeigt, dass Crack kein Randphänomen mehr ist – weder in Olten noch anderswo. Doch wie die Gesellschaft mit diesem Problem umgeht, bleibt eine politische und soziale Herausforderung. Ob strengere Repression, kontrollierte Abgabe oder verstärkte Prävention der richtige Weg ist, wird weiterhin intensiv diskutiert. Mit den Konsumräumen der Suchthilfe Ost und der neuen Gassenarbeit sind wir in Olten aber gut aufgestellt weil fest steht: Wegsehen ist keine Lösung.

WEGSEHEN IST KEINE LÖSUNG! sehe ich genau so
Ich bin froh, haben wir mit der Suchthilfe Ost in Olten wenigstens eine zentrale Anlaufstelle.
Wegsehen ist wie von aussen zuschauen.Es braucht konkrete Lösungen,diesen Menschen zu helfen.Ob das Entzugsmöglichkeiten sind oder psychologische Unterstützung…dieser Film ist ein Hilfeschrei!
«Ob strengere Repression, kontrollierte Abgabe oder verstärkte Prävention der richtige Weg ist, wird weiterhin intensiv diskutiert.»
Dann lass uns das diskutieren: mMn hilft Repression höchstens beim Wegsehen, etwas, das du richtigerweise nicht als Lösung anerkennst. Repression vertreibt die Betroffenen nur, aus dem öffentlichen Raum. Das verhindert vielleicht ein schlechtes Gefühl bei der Bevölkerung, hilft den Betroffenen aber rein gar nichts.
Es kriminalisiert den Handel und den Konsum. Beides kann von den Betroffenen nicht unterlassen werden, zumindest nicht kurzfristig und nicht ohne Hillfe. Es erhöht nur den Stress der Betroffenen, was die Bereitschaft und Kraft zur Veränderung eher vermindert als erhöht.
Ich spreche hier nur von der Repression gegen die Süchtigen. Repression gegen das organisierte Verbrechen, das das Crack herstellt und ins Land bringt, ist ein ganz anderes Thema.
Dass Prävention notwendig ist, steht für mich ausser Frage. Dass ich Repression für nicht zielführend halte, habe ich gerade dargelegt. Deine dritte Option ist die Schadensminderung durch Drogenabgabe. In einem geschützten Rahmen Drogen erhalten und konsumieren zu können, ist zweifelsfrei notwendig, solange die Süchtigen kein Problembewusstsein oder keine Kraft zur Veränderung haben.
Wenn der Stressor der Beschaffung und der Angst vor Vertreibung wegfällt, fördert das das Vertrauen und kann Mut und Kraft zur Veränderung freisetzen. Dies kann dann zu der Massnahme führen, die du in deiner Auflistung vergessen hast: Therapie.
Meiner Erfahrung nach ist der einzige erfolgsversprechende Weg, Süchtigen aus der Sucht zu helfen, Mitgefühl und Verständnis, Soforthilfe und das Versprechen, nachhaltige Hilfe bereitzustellen, wenn er oder sie bereit dazu sind. Mit Zwang erreicht man höchstens kurzfristig etwas, nachhaltig ist Repression und der Zwang zur Veränderung bei Süchtigen nie.