Pilotversuche sind eine gute Sache. Man testet, ob eine Idee funktionieren könnte, und wertet sie danach aus. So geschehen auf dem Munzingerplatz mit einer mobilen Begegnungszone, die während acht Wochen getestet wurde. Die Opfer: ein paar Parkplätze, die zu diesem Zweck gesperrt werden mussten. Das journalistische Fazit der einzigen täglich publizierenden Lokalredaktion steht längst fest: «Jetzt braucht es mehr davon».
Im Februar 2017 reichten die Grünen der Stadt Olten einen politischen Vorschlag mit 122 gültigen Unterschriften ein. Dieser forderte, dass ein Parkleitsystem sämtliche oberirdischen Parkflächen am Munzingerplatz, Amtshausquai, an der Römerstrasse und am Klosterplatz mit einer Belegungserfassung ausrüsten solle. Eine gute Sache, zeigt sie doch Autofahrenden den Weg zu freien Parkplätzen.
Parkleitsystem für 1,7 Millionen Franken
Das Anliegen wurde im Gemeindeparlament mit 38 zu 5 Stimmen bei zwei Enthaltungen erheblich erklärt. In der Folge wurde geteert, der Munzingerplatz neu gestaltet, Parkflächen optimiert und später auch Ladesäulen für Elektromobilität installiert. Jedes Parkfeld wurde eigens mit einem Bodensensor versehen. In das Parkleitsystem wurden 1,7 Millionen Franken investiert, um Autofahrenden den besten und schnellsten Weg zum freien Parkplatz zu weisen.

Achtwöchiger Test reicht aus für abschliessendes Fazit
Im Jahr 2025 weiss das Oltner Tagblatt bereits nach einem achtwöchigen Pilotversuch mit einer erweiterten Begegnungszone auf dem Munzingerplatz, dass dieser dauerhaft umgestaltet werden soll. «Solche Oasen schaffen Lebensqualität, gerade in einem urbanen Umfeld, das sonst vielerorts vom Verkehr dominiert wird», so das Fazit im Kommentar der Zeitung. Weiter kommt das Oltner Tagblatt zum Schluss, die Stadt solle den Mut fassen, diese und ähnliche Projekte weiterzudenken und mit «etwas mehr Vertrauen in das eigene kreative Potenzial» anzugehen.

Redaktion stellt Massnahmen des Parlaments in Frage
Das liest sich etwa so, als hätte man in Olten nicht bereits viel ausprobiert, und dürfe nicht auch einmal zum gegenteiligen Schluss kommen. Etwa dass ein Oltner Stadtparlament erst vor acht Jahren ein Parkleitsystem mit einem Millionenkredit realisieren liess. Auch entsteht beim Lesen des Artikels der Eindruck, dass die Stadt Olten ausschliesslich aus der linken Stadtseite bestehe, die entwickelt werden müsste.
Sitzmöbel für den Vögeligarten geeignet?
Ob sich die für mehrere zehntausend Franken angeschafften Sitzmöbel für den Pilotversuch auf dem Munzingerplatz eventuell auch für eine Platzierung im urbanen Vögeligarten auf der rechten Stadtseite eignen würden, bleibt in der Berichterstattung des Oltner Tagblatt leider auch unbeantwortet. Die Redaktion fokussierte sich einzig auf den Munzingerplatz.

Klar ist im Moment nur so viel: Die Stadt hat den ebenfalls vom Gemeindeparlament definierten Auftrag für ein Pilotprojekt «Piazza Munzinger» pflichtgemäss und in hoher Qualität während acht Wochen umgesetzt und den bestehenden Begegnungsraum um ein paar Parkfelder erweitert, die dafür abgesperrt werden mussten.
Baudirektion führte Auftrag des Gemeindeparlaments aus
Letztendlich sollte im Rahmen der Ortsplanrevision und durch die involvierten Planungsgruppen und Planungsbüros strategisch definiert werden, wo entsprechende Freiflächen geschaffen und wo der Verkehr abgewickelt werden soll. Basierend auf solchen strategischen Zielsetzungen können dann auch die richtigen operativen Massnahmen in der Bauplanung umgesetzt werden. Dadurch ist sichergestellt, dass mit den eingesetzten Steuergeldern die besten und sinnstiftendsten Projekte realisiert werden.

Man könnte meinen, die Redaktion des Oltner Tagblatt wolle anhand ihrer jüngsten Berichterstattung in die Fussstapfen des damaligen Kulturmagazins KOLT treten. Dieses lancierte 2016 eine private Sammelaktion für Enzo-Designermöbel, die dann privat angeschafft, letztlich durch die Stadt in der Oltner Badi deponiert wurden, statt wie beabsichtigt den urbanen Innenstadtraum zu beleben.


