Der Bahnhof Olten ist mit täglich mit bis zu 80’000 Reisenden ein wichtiger Bahnknotenpunkt in der Schweiz, genügt zwar in seiner technischen Funktion den heutigen Anforderungen, muss aber dringend ausgebaut werden, um den verkehrlichen Entwicklungen Stand zu halten. Zudem bietet der Bahnhof heute kaum Aufenthaltsqualität. Mit dem Projekt „Neuer Bahnhofplatz Olten NBO“ soll sich das ändern. Dies mit der Vision, den Bahnhofplatz in eine attraktive, vernetzte Drehscheibe für Bus, Bahn, Velo und Fussverkehr zu verwandeln und gleichzeitig Aufenthaltsqualität am Fluss zu schaffen. Ziel ist es, den Bahnhofplatz als städtisches Zentrum neu zu definieren. 1’500 Abstellplätze für den Veloverkehr sollen in zwei neuen Abstellanlagen entstehen. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 157 Millionen Franken.
Am Abend war es heiss, als Stadtpräsident Thomas Marbet die anwesende Bevölkerung im voll besetzten Parlamentssaal im Stadthaus begrüsste. Er freue sich sehr über das grosse Interesse am «coolen Bauprojekt», wie sich der Stadtpräsident ausdrückte und dankte den zahlreich erschienenen Gästen im hochsommerlich warmen Olten.
Die Vorstellung erfolgte nicht alleine, denn das Millionenprojekt ist nicht nur für die Stadt Olten von städtebaulicher Wichtigkeit, sondern auch für den Kanton Solothurn aber auch die SBB, wie die ebenfalls anwesende Frau Landammann und Regierungsrätin Sandra Kolly später ausführte.
Projekt für den Kanton Solothurn von schweizweiter Bedeutung
Die kantonale Baudirektorin ging in Ihrer Ansprache dann auch darauf ein, dass es sich beim Ausbau des Bahnknotens Olten um ein Projekt «von grosser nationaler Bedeutung für die ganze Schweiz handle». Olten sei einer der wichtigsten Bahnhöfe der Schweiz, so die Solothurner Regierungsrätin.
Die Kapazität des Bahnhofs Olten sei deshalb nicht nur entscheidend für die Mobilität von Olten, sondern für die ganze Region. Und die Regierungsrätin verdeutlichte dies auch mit Zahlen, denn das Verkehrswachstum werde in den kommenden zwanzig Jahren im Bahnknoten Olten um rund 40 Prozent zunehmen.

Den Bahnhof nicht auszubauen wäre ein Sicherheitsrisiko, so die Regierungsrätin und es sei entscheidend, dass die Verkehrsflüsse neu geordnet würden.
«Menschen sollen sich hier nicht nur fortbewegen, sondern auch aufhalten können», so die Bauridektorin Sandra Kolly im Hinblick auf die gesamtheitliche Entwicklung des ganzen Areals rund um den Bahnhof.
Stolzes Preisschild von 157 Millionen Franken
Vor Ort wurde auch über die Kostenentwicklung gegenüber dem 2019 aufgelegten Projekt informiert. In der damaligen Ausführung aus dem Jahr 2019 wurde von geplanten 90 Millionen Baukosten gesprochen.
An der jüngsten Informationsveranstaltung vom 14. August 2025 im Stadthaus Olten wurde betont, dass viele Elemente in die Planungen eingeflossen seien, was sich auch auf die Baukosten auswirken würde. Stolze 157 Millionen Franken soll der gesamte Um- und Ausbau des Bahnknotens Olten gemäss jüngster Planung neu kosten.
Kostenteiler unter den beteiligten Partnern mit Unterstüzung aus dem Agglomerationsprogramm
Die Finanzierung des Gesamtprojekts soll zwischen Stadt (32 Mio.), Kanton Solothurn (32 Mio.) und der SBB (67 Mio.) aufgeteilt werden. Als vierter und zusätzlicher Beitragszahler wurde der Bund genannt. Dieser werde sich am Projekt über das Agglomerationsprogramm mit 26 Millionen Franken beteiligen.
Die Kreditfreigabe müsse noch vom Stadtparlament, dem Solothurner Kantonsrat wie auch von der Solothurner Bevölkerung mitgetragen werden, so der Stadtpräsident bei der Vorstellung der Projektkosten.
Die SBB wiederum benötige noch eine Kreditfreigabe des zuständigen Bundesamts für Verkehr BAV. Alle am Projekt beteiligten Parteien zeigten sich zuversichtlich, da es sich um ein sehr bedeutendes Projekt handle.
Direkter Zugang vom Bahnhof in die Aare
Das Ausbauprojekt des Bahnhofs Olten beinhaltet auch die Aufwertung des Aareraums, denn zwar befindet sich der Bahnhof Olten direkt am Flussufer der Aare, ein Zugang sei bisher nicht möglich gewesen, so der Oltner Stadtpräsident.
Dies solle sich ändern und Marbet betonte die gute Zusammenarbeit mit allen Projektbeteiligten. Man habe durchaus auch «hitzige Verhandlungen geführt», so Marbet, aber die Bauherrengemeinschaft habe sich über die Jahre sehr positiv entwickelt.
Marbet wünschte sich dann am Abend auch, dass die Bevölkerung dem Projekt «wohlwollend» gegenüberstehe und forderte die Bevölkerung aktiv dazu auf, sich sowohl digital als auch brieflich an der einen Monat lang dauernden Mitwirkung zu beteiligen, bevor dann im Herbst und Winter 2025/2026 die parlamentarischen Entscheide durch Stadt und Kanton zum Baukredit gefällt würden.
Enger Zeitplan erfordert integrierte Planung und keine Verzögerungen
Nur bei einem Ja zur städtischen und kantonalen Abstimmung über das Bauprojekt im Juni 2026, könne das Projekt im geplanten Zeitfenster fristgerecht oder überhaupt umgesetzt werden. Eine Verschiebung hätte gravierende Auswirkungen auf eine mögliche künftige Realisierung.

Bei einem JA zum Projektkredit wäre der Baustart im Jahr 2028 vorgesehen, im Jahr 2032 würde der Abschluss des Projekts erfolgen, so der Stadtpräsident von Olten.
Die Regierungsrätin Kolly iherseits wandte sich direkt an die anwesende Bevölkerung: «Wir sind grundsätzlich auf Kurs, sind aber auf den Rückhalt der Bevölkerung angewiesen», so die Baudirektorin des Kantons Solothurn.
Ausbau für SBB von strategischer Bedeutung
Olten sei durchzogen von der Bahn, so Projektleiter Andreas Wingeier von der SBB. Olten sei neben Zürich der wichtigste Bahnhof als Verkehrsdrehscheibe für den internationalen Zugverkehr und als Verbindung nach Europa.
Wer heute den Bahnhof Olten nutze, insbesondere die Unterführungen oder Gleis 2/3 in den Morgenstunden, der wisse, wie voll der Bahnhof Olten heute bereits sei.
Mit täglich 70’000 bis 80’000 umsteigenden Reisenden sei der Bahnhof am Limit, das Gleis 1 und das auch das Perron mit den Gleisen 2 und 3 müssten zwingend auf 400 Meter Länge erweitert werden, so der Projektleiter der SBB.
So ist neben dem notwendigen «Substanzerhalt» der Infrastruktur auch die Verbreiterung und Verlängerung der Perronanlagen zwingend. Wingeier führte aus, dass in einem ersten Schritt die heute kurze Hardeggunterführung ausgebaut würde, als neue direkte Anbindung an die Aare und den Bahnhofplatz.
Die SBB plane, das Areal rund um den Bahnhof Olten weit über die heutige Betriebszentrale an der Gösgerstrasse hinaus in Richtung Norden zu entwickeln, so der Verantwortliche der SBB.

Winkelunterführung soll als Langsamverkehrsachse entwickelt werden
Der SBB-Projektleiter liess denn am Infoabend auch etwas die Katze aus dem Sack, als er in seinen Ausführungen über die geplante Aufwertung der Winkelunterführung für den Fuss- und Veloverkehr informierte. Die Aufwertung des Winkels sei eine städtische Idee zur Weiterentwicklung der Unterführung.
Der Bahnhof Olten solle nicht nur zur Visitenkarte der Stadt Olten werden, so Wingeier, sondern auch der Raum um den Bahnhof solle qualitativ deutlich aufgewertet werden.
Der SBB-Projektleiter zeigte sich deshalb auch zuversichtlich, dass die vom Bundesamt für Verkehr BAV notwendigen finanziellen Mittel für den Bahnhofausbau fristgerecht gesprochen würden.
Einblick in die Projektentwicklung rund um den Bahnhof Olten
Die wichtigsten Fakten zum Projekt des neuen Bahnhofplatzes.
Aarezugang für Fussgänger, Schwimmer und Schlauchboote
Blick auf die nördlichere und mit neuem Ausgang zur Aare hin erweiterten Unterführung Hardegg mit direktem Zugang zum Aareraum. Mit dem Ausbauprojekt würde die Unterführung weitergeführt und würde Möglichkeiten zum Verweilen an der Aare bieten.
Auch das Ein- oder Auswassern von Schlauchbooten, direkt am Aareufer ist vorgesehen. Die sehr beschränkt nutzbare Fläche für Grün wird wo immer möglich entsiegelt und mit Grün bepflanzt.


Fussgängerebene und Velostation
Blick auf die rund 1000 Veloabstellplätze südliche Veloabstellanlage und den Zugang über Rampen hin zum Aaresteg.

Grosszügige neue Querverbindung Martin-Disteli und Hardegg-Unterführung mit Gewerbe und Läden
Mit der Realisierung des Projekts entsteht eine neue logistische Querverbindung zwischen der heutigen Unterführung Martin-Disteli und Hardegg. Die Flächen werden vom Gewerbe bespielt und von SBB Immobilien entwickelt.
«Passage West» würde auch den aktuell geführten Diskussionen rund um die subjektive Sicherheit entgegenwirken, denn nicht nur die Unterführung würde deutlich aufgewertet und viel freundlicher gestaltet, sondern auch ein neuer Ladenmix wäre vorgesehen und die Zugänge würden neu gestaltet.


Neues «Stadtdach» zum Bahnhofplatz
Visualiiserung des neuen und wabenförmigen «Stadtdachs» wirkt luftig, mit einer Sichtbeziehung nach oben und dank seiner Bauart mit Licht aufs Perron und die städtischen Zugänge zum Bahnhof. Dies mit direkter Auswirkung auf die subjektiv wahrgenommene Sicherheit und eine neue Aufenthaltsqualität.
Man sieht rechts den Verkehr und die Umsteigebeziehung zur Buskante hin. Reisende könnten dank des Projekts hindernisfrei und ohne Queerung der Kantonsstrasse alle Busse sicher erreichen. Bus und Bahn werden enger verbunden.
Menschen mit Mobilitätseinschränkungen können zudem überall Rampen befahren oder auch neu mehrere Lifte für den Zugang zum Bahnhof Olten nutzen.

Neuer und begrünter Bahnhofvorplatz mit Sitzgelegenheiten
Die heutige Auto- und Buszufahrt zum Bahnhofplatz und Teile der heutigen Parkplatzwüste würden sich auf Seite des Swisscom-Gebäudes mit der Projektumsetzung in eine angenehme Aufenthaltszone für Fussgänger verwandeln.

Blick auf das Areal im Detail: Veloabstellplätze wären neu mit einer Zahl von 1000 Plätzen in der südlichen, weitere 500 Plätze in der nördlichen Anlage vorgesehen. Ein direkter Erfolg der Mitwirkung aus dem Jahr 2019, wo sich die Bevölkerung deutlich dafür ausgesprochen hatte, die Abstellflächen noch weiter zu erhöhen.
Parkplätze für Motos sind 84 vorgesehen, zudem 86 Plätze für Autos mit einer nördlichen Zufahrt über die Gösgerstrasse.

Fussgängersteg vom Bahnhof zum Amthausquai auch für Velofahrende
Eine markante Langsamverkehrverberindung bildet neu der jetzt mit 5.50 Meter breit geplante Fussgängersteg, welcher auch von Velofahrenden genutzt werden kann.
Wenn man über den Steg fährt, erreicht man ohne Niveauübergänge direkt den Velokeller. Auch die Vorgaben in Bezug auf das diskret ausgestaltete Stadtdach haben den strengen Vorgaben des Denkmalschutzes entsprochen, so auch auf der Visualisierung sichtbar. Die Umsetzung lässt dem historischen Bahnhofgebäude optisch genügend Raum.

Neue Querverbindung innerhalb des Bahnhofs
Zwei Längspassagen und neue Querungen in drei Passagen ermöglichen einen optimalen Zugang in den Bahnhof Olten. SBB Immobilien will die Areale auch rentabel betreiben, so die Info vor Ort.
Der Blick auf den Plan des Bauprojekt zeigt zudem deutlich die Dimensionen der Abstellanlagen für Velos, die massiv verbreiterte Unterführung Hardegg sowie das unterirdische Autoparking im nördlichen Bereich, hier abgebildet auf der rechten Seite des Plans.

Interessierte Oltnerinnen und Oltner sind aufgerufen, sich im kommenden Monat, am besten online, mit letzten Änderungswünschen einzubringen.
Auf der Projektwebseite sind detaillierte Informationen unter neuer-bahnhofplatz-olten.ch abrufbar.
Die Mitwirkung zur Nutzungsplanung erfolgt im Zeitraum vom 18. August 2025 bis 16. September 2025 über die Mitwirkungsplattform mitwirken-olten.ch.




3 Kommentare
sieht alles sehr schön aus, aber der Bahnhofplatz beinhaltet auch den Autoverkehr. Bei der Strassenführung hat sich nicht wirklich etwas verändert oder gar verbessert. Wo ist die Kurzparkzone für Abhol- und Bringverkehr.
Gemäss Projektunterlagen verschwinden die oberirdischen heutigen Parkplätze zu Gunsten einer neuen, zweigeschossigen Parking-Fläche im Untergrund. Angeschlossen ist das Parking direkt an die Unterführung. Dafür sind neu 86 Parkplätze vorgesehen, deutlich mehr als beim aktuellen Kurzparking. Gemäss Unterlagen soll zudem für das Abholen eine sogenannte «Kiss-and-Ride» Zone für fünf Autos entstehen, um kurz anzuhalten und Reisende aussteigen zu lassen. Auch daran wurde gedacht.
Der neue Bahnhof Olten soll zum zentralen Umsteigeort für die Region Olten werden.
Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit viel Gepäck, Menschen in Quartieren/Dörfern ohne Bus vor der Türe und viele andere Menschen bleiben aber aussen vor. Trotz Investitionen im dreistelliger Millionenhöhe.
Denn das Umsteigen vom Auto (bald nur noch mit umweltfreundlichem Elektro- oder Wasserstoffantrieb) auf die Bahn wird am neuen Bahnhof Olten von Planern und Politikern mit ideologischen Scheuklappen konsequent behindert.
Gerade mal 86 Parkplätze soll es im neuen Bahnhof Olten geben.
Zum Vergleich: an den (deutlich kleineren) Bahnhöfen Solothurn, Aarau und Liestal hat es je über 200 Parkplätze. In Winterthur und Luzern gibt es in den Bahnhofparkings je rund 500 Parkplätze. Und im Bahnhof Bern sind es sogar über 900 Parkplätze.
Zur Erinnerung: In der Schweiz wird über 60 Prozent der täglichen Verkehrsleistung durch motorisierte individuelle Verkehrsträger erbracht.