Der Verein Schlafguet stellt den Betrieb der Notschlafstelle in Olten nach eineinhalb Jahren ein. Per 31. Oktober 2025 schliesst die Einrichtung endgültig ihre Türen. Dies trotz fast 4000 Übernachtungen und hoher Nachfrage. Grund sind fehlende politische Unterstützung und eine unsichere Finanzierungsbasis. Besonders brisant ist die Schliessung kurz vor Beginn des Winters, so die Einschätzung des Vereins «Schlafguet».
Politischer Rückhalt fehlt
Die Notschlafstelle wurde im April 2024 eröffnet, um Menschen in schwierigen Lebenslagen einen sicheren Schlafplatz sowie Betreuung und Begleitung zu bieten. Obwohl die Nachfrage gross war, konnte sich der Verein Schlafguet nicht auf die Unterstützung der öffentlichen Hand verlassen. Weder der Kanton Solothurn noch der Verband Solothurner Einwohnergemeinden oder die Stadt Olten stellten eine längerfristige Finanzierung in Aussicht. Damit blieb die Verantwortung fast ausschliesslich bei privaten Initiativen.
Finanzielle Situation ohne Planungssicherheit
In den vergangenen 18 Monaten wurde die Notschlafstelle von zahlreichen Spenderinnen, Stiftungen und Kirchen unterstützt. Diese Mittel reichten jedoch nicht aus, um die laufenden Kosten für Miete, Personal und Betreuung dauerhaft zu decken. Ohne eine verlässliche öffentliche Finanzierung fehlt dem Verein die notwendige Planungssicherheit für eine Weiterführung über Oktober 2025 hinaus.
Schliessung vor Winterbeginn
Der Zeitpunkt der Schliessung wiegt schwer: Gerade vor der kalten Jahreszeit verschärft das Ende des Angebots die Lage für Betroffene zusätzlich. Die Co-Präsidenten Andreas Brun und Timo Probst betonen, dass sie die Schliessung sehr bedauern und die Notschlafstelle gerne langfristig betrieben hätten.
Dank an Unterstützende
In ihrer Mitteilung dankt der Verein Schlafguet ausdrücklich dem Fachteam, den Freiwilligen, dem Reinigungsteam sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern. Ihr Engagement habe massgeblich dazu beigetragen, dass in Olten während eineinhalb Jahren Menschen in schwierigen Lebenslagen ein Stück Sicherheit und Würde erfahren konnten.
Abitionierte Freiwilligenhilfe über den Verein Schlafguet
Der Verein Schlafguet wurde im Mai 2017 gegründet. Die Notschlafstelle an der Bleichmattstrasse 21 in Olten nahm im April 2024 ihren Betrieb auf. Sie richtet sich an Menschen in Not, die auf einen sicheren Schlafplatz angewiesen sind.
Der Check-In ist jeweils zwischen 19 und 22 Uhr möglich, der Check-Out bis spätestens 8 Uhr am Morgen. Tagsüber bleibt die Unterkunft geschlossen. Voraussetzung für die Nutzung ist eine gültige Ausweiskarte, zudem können keine Reservationen vorgenommen werden. In der Notschlafstelle gilt eine klare Hausordnung: kein Konsum von Alkohol oder Drogen, keine Gewalt und die Einhaltung der Nachtruhe.
Die Betreuung wurde bisher durch ein Fachteam und zahlreiche Freiwillige sichergestellt. Der Betrieb verlief nach Angaben des Vereins ruhig und ohne grössere Zwischenfälle. Rückmeldungen aus der Nachbarschaft wurden ernst genommen, sodass Anpassungen wie verbesserte Beschriftungen oder bauliche Massnahmen rasch umgesetzt wurden.




6 Kommentare
Was in der Mitteilung des Vereins Schlafguet nicht erwähnt wird.
Gemäss den Zahlen des Vereins haben 43 Prozent aller Nutzenden ihren Wohnsitz im Ausland. Es handelt sich grossmehrheitlich um Personen, welche eine billige Unterkunft suchen. Diese Personen nutzen die sogenannte Notschlafstelle als gastwirtschaftlichen Betrieb mit Übernachtungsmöglichkeit.
Klare Indizien lassen darauf schliessen, dass es sich oft um ausländische Wanderarbeiter handelt, die in der Schweiz befristete Arbeitseinsätze ausführen.
https://schlafguet-olten.ch/zahlen/
Krass, das wusste ich nicht. Das ist nochmals ein ganz anderes Level an Working Poor, wenn Menschen derart ausgebeutet werden, dass sie trotz Lohn in einer Notschlafstelle übernachten müssen.
Aber offensichtlich ist das so gängig, dass es vom Sleeper sogar geregelt ist: sie zahlen 15 Stutz pro Nacht und dürfen bis zu fünf Nächte dort übernachten.
Sehr traurig, dass im Moment gerade verschiedene (soziale) Projekte in der Stadt scheitern, aufgrund Einsprachen und fehlenden Finanzen. Damit werden Menschen auf den Strassen alleine gelassen…
Sehr bedauernswert, dass die Notschlafstelle schliessen muss. Sie deckt einen gesellschaftlichen Bedarf ab. Das sympathische und soziale Gesicht Oltens nimmt Schaden. Schwache und prekäre Existenzen haben ein Bett und einen Ort zum Essen und Reden verloren. Wo bleibt die Mitverantwortung für Randständige. Ich bin betroffen.
Es ist für alle besser (auch gewöhnliche Fussgänger), wenn (temporär) Obdachlose in einer Notschlafstelle statt auf dem Trottoir frierend übernachten.
Offensichtlich ist es NICHT für alle besser. Wenn es denn so wäre, wäre doch die Finanzierung nicht gescheitert. Anscheinend ist es für den Kanton und die Stadt besser, dass die paar Franken in der Kasse bleiben, statt es für die Schwächsten der Gesellschaft auszugeben.