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Den Spatz in der Hand statt den toten Vogel im Park

Wie auch immer sich die Situation rund um die Abstimmung zur Vogelvolière entwickelt: Nachdem das Gemeindeparlament der Erarbeitung eines möglichen und deutlich kostengünstigeren Kompromissvorschlags eine Absage erteilt hat, darf man dem Originalwortlaut der Initiative zum Erhalt der Vogelvolière im Vögeligarten im November durchaus zustimmen. Kosten wird es die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler nämlich so oder so eine beachtliche Summe, weil das Gebäude in der Parkanlage Vögeligarten auf der rechten Stadtseite totalsaniert werden muss. Daran führt kein Weg vorbei.

Die Meinungen im Gemeindeparlament waren in der Sitzung im September gemacht. Mit 31 Nein-Stimmen wurde der Initiative zum Erhalt der Vogelvolière eine deutliche Abfuhr erteilt. Was dabei vergessen ging: Der Vögeligarten ist eine Parkanlage von unschätzbarem Wert für die Bevölkerung auf der rechten Stadtseite.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Vögeligarten mit Herzstück Vogelvolière

Totalsanierung unumgänglich

Leider hat die Stadt als Eigentümerin der Volière den kontinuierlichen Unterhalt des Gebäudes über Jahre hinweg sträflich vernachlässigt. Das zeigt sich, wenn man das Gebäude besichtigt. Das Dach war an einzelnen Stellen undicht, Abdichtungen wurden ruimentär vorgenommen, die Schäden im Innern sind deutlich sichtbar. Die Räumlichkeiten sind in die Jahre gekommen und in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Eine energetische Sanierung ist zwingend angezeigt und die öffentliche Toilettenanlage ist, gelinde gesagt, eine Zumutung für Besucherinnen und Besucher der Parkanlage Vögeligarten.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Arbeitsraum Volière mit Wassereintritt im Deckenbereich

Wären in den vergangenen Jahren für die Volière ähnliche Mittel eingesetzt worden wie für die Badi oder die Sportpark AG mit der Eissportanlage, müsste man heute nicht über ihren Erhalt diskutieren. Doch aus welchen Gründen auch immer, diese traditionelle Anlage auf der rechten Stadtseite nicht gleichwertig behandelt wurde wie andere Freizeitangebote der Stadt Olten, bleibt unbeantwortet.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Toilettenanlage Publikumsbereich Vögeligarten

Egal, wie Ende November abgestimmt wird, um eine Totalsanierung des Gebäudes im Vögeligarten kommen wir nicht herum. Der Gebäudezustand ist marode und ein Abbruch mit anschliessendem Neubau auf dem bestehenden Fundament wäre wohl die sinnvollste Lösung. Warum also nicht die Gelegenheit nutzen, eine gelebte Tradition zu bewahren?

Sinnstiftende öffentliche Anlagen in Olten unterhalten

Erstaunlich war die Argumentation einzelner Parlamentarierinnen und Parlamentarier im September im Gemeindeparlament, die den Preis der Sanierung pro Vogel berechneten. Niemand käme auf die Idee, die in den letzten Jahren investierten Summen der Sportpark AG auf die einzelnen Feldspieler des EHCO umzulegen oder die realen Kosten eines Badieintritts anzuprangern. Auch dort geht es um Tradition, Identität und ein Stück Olten und das ist gut so.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Sanitäre Installationen im Kellerheschoss

Das Gemeindeparlament hat im September die Chance verpasst, einer von der SVP lancierten Idee eines Gegenvorschlags zuzustimmen, der eine budgetfreundlichere Sanierung der Volière vorgesehen hätte. Nun geht es um alles oder nichts. Vielen Volksvertreterinnen und Volksvertretern scheint nicht bewusst zu sein, welche Bedeutung der Vögeligarten für die Bevölkerung tatsächlich hat.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Telefon im Arbeitsraum der Volière

Moralische Wertung über zoologische Anlagen

Das Argument, die Volière sei nicht mehr zeitgemäss, greift zu kurz. Nach dieser Logik könnte man ebenso gut bei vielen weiteren Projekten fragen, ob man sie noch braucht oder nach welcher Logik man dort sanierte.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Volière Aussenansicht

Ein Beispiel? Bei der kantonalen Sanierung einer Stadtautobahn quer durch Olten, wo man die Velofahrenden und Fussgänger und deren Anliegen bei der Realisierung zu Gunsten des maximalen Autodurchflusses sträflich vernachlässigte und weiterhin dem Durchgangsverkehr die höchste Priorität einräumt. Definitiv nicht zeitgemäss.

Und wer von den Gemeindevertretern mit Kindern schon einmal den Zoo in Zürich oder Basel besucht hat, weiss, dass Tierhaltung auch heute ein wichtiger Teil von Bildung und Erholung ist, wenn sie richtig gemacht wird.

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Innenraum Vogelgehege Vogelvolière Vögeligarten

Die Vogelvolière hat es verdient, als Freizeitattraktion erhalten zu bleiben. Modernisiert, zeitgemäss gestaltet und so saniert, dass man wieder stolz darauf sein kann, Besucherinnen und Besuchern die Parkanlage auf der rechten Stadtseite zu zeigen.

Basis für Weiterentwicklung gegeben

Nichts spricht dagegen, bei einem JA die Volière weiterzuentwickeln und beispielsweise ein kleines Café im Park anzuschliessen. Alles ist möglich, wenn man sich für das Sanierungsprojekt ausspricht und im November ein deutliches JA einlegt.

So, wie man es übrigens auch in der Badi getan hat, wo das Garderobengebäude gerade saniert und das gastronomische Angebot erweitert wird. Ein Projekt, das breite Zustimmung gefunden hat.

Vogelvolière Olten
Vogelvolière Olten

Und wer die Vögel im Vögeligarten in den letzten Jahren besucht hat, weiss: Sie fühlten sich dort wohl, in sozialer Umgebung und mit vielen Artgenossen. 

Ja, es ist eine stolze Summe, über die wir im November abstimmen. Doch die Bevölkerung auf der rechten Stadtseite hat es verdient, dass man sich im gleichen Mass um ihre Freizeitangebote kümmert wie auf der linken Seite. Das ist gelebte Solidarität.

Volièreverein Olten formuliert Zukunft im Strategie & Betriebskonzept

Mit einem JA zur umfassenden Erneuerung und Neugestaltung der Voliere hat der Verein folgende Ziele formuliert und will diese umsetzen. 

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Vogelpaar in der Vogelvolière Vögeligarten
  • Umfassende bauliche Erneuerung mit grösseren Lebensräumen
  • Annexbau für die kulturelle Belebung
  • Schulungsraum für vermehrte Kindergarten- und Schulbesuche
  • Austausch mit anderen Volièren um Fachexpertise in die Planung einfliessen zu lassen
  • Reduktion Tierbestand, Annahmestopp für neue Vögel, auch keine Ferienvögel mehr
  • Artgerechte Haltung nach neusten Erkenntnissen
  • Verbesserung des Zugangs durch behindertengerechtes Bauen
  • Anlaufstelle für Private welche zu Hause eine Volière haben
  • Adoptionsprogramm für exotische Vögel anstelle eigener Zucht.

Kritik an der medialen Kommunikation des Vereins berechtigt

Allerdings, dies gilt es klar festzuhalten, hat der Verein in der Vergangenheit nicht optimal kommuniziert und viele Dokumente auch erst auf den letzen Drücker an verantwortliche Stellen eingereicht hatte.

Es gilt deshalb auch hier das alte Sprichwort: In die Hand, die einem füttert, sollte man nicht beissen. So ist auch die sehr defensive Haltung des Stadtrats wie auch des Parlaments verständlich. 

Vogelvolière Olten Vögeligarten
Tag der offenen Tür in der Volière Olten

Die Vorschusslorbeeren sind aufgebraucht und so liegt es bei einem JA beim Verein selber, sich in einer sachlicheren und weniger emotionalen Art an die Öffentlichkeit zu wenden, wenn es um den Weiterbetrieb geht.

Ein Fokus muss auf die Beschaffung von Spenden und Crowdfunding-Aktionen liegen, um eine solide finanzielle Basis zu sichern, denn jährliche Betriebsbeiträge von CHF 100’000.- sind eine stolze Summe und können nicht ohne Gegenleistung auf ewig eingefordert werden.

Ein NEIN wäre fatal und würde eine 67 Jahre alte namenstiftende Oltner Institution auslöschen. Am 30. November 2025 entscheidet darüber die Oltner Stimmbevölkerung. 

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Ein Kommentar

  • Emontional darf man sein, wenn man fragt und bis heute keine plausible Antwort erhält: «Was wäre die Nachfolgelösung im Vögeligarten?» Aber im Budget 2025 sind Fr. 200’000 vorgesehen, aber absolut unklar ist für was, oder man feststellen muss, dass schon Planungsaufträge im Gespräch sind.
    Der VVO kann nur dank einer grosszügigen Spende das Jahr 2024 finanziell erfolgreich beenden. Einen Nachtragskredit von dir, von Fr. 30’000 für das Jahr 2025, im Parlament knapp gutgeheissen worden ist! Oder liest man weiter im Budget 2025, 690% neue Stellen ein Steuerbetrag von Fr. 832’600 kosten werden. Ein Citymanager mit CHF 40’000, oder ein Sportkoordinator mit Fr. 70’900 entschädigt werden. Ihr könnt sehr sicher sein, dass ich nach 40Jahren Politik die Budgets und die Rechnungen lesen kann. Vielleicht zu gut!
    Die Fr.100’000 entsprechen ca. 60% der Personalkosten, die die umliegenden Volièren, Aarau und Zofingen für eine ähnliche Voliéregrösse ausgeben. Solothurn und auch Sissach werden von Personen mit einer jahrzehntelange Hingabe ehrenamtlich mit ca. Fr. 12’000 Betriebskosten geführt, aber sie wissen auch nicht mehr weiter. Die Fr. 20’000, die der Wildparkverein Mühletäli erhält, möchte ich mich hier nicht weiter äussern, denn dann ….. ! Ich war dabei!
    Ehrenamtliche Personen für Tätigkeiten zu finden ist heute sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, ausser Ehrenposten.
    Die Volière hat auch soziale Aufgaben, das wissen die wenigsten, aber für das setze ich mich ein. Ich habe Verantwortung übernommen und für das setze ich mich ein. Das war beim WPM, Krematorium und bei vielem anderen mehr.
    Nur ein JA gibt die Volière mit den bunten zwitschernden Vögel.
    PS: Termine, sind Termine und die haben wir alle eingehalten, auch mit der Leistungsausweis-Strategie.

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