Bildung in Olten: viele Maturanden, aber auch viele ohne Abschluss
Neue Geodaten des Bundesamts für Statistik zeigen, wie viele Oltner Jugendliche bis 25 einen Abschluss der Sekundarstufe II schaffen. Im Vergleich mit den Solothurner Nachbargemeinden ist das Ergebnis zweigeteilt: Bei der Maturitätsquote gehört Olten zur regionalen Spitze, bei der allgemeinen Abschlussquote bildet die Stadt das Schlusslicht.
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat erstmals fein aufgelöste Geodaten zum Bildungserfolg veröffentlicht. Untersucht wurde, wie viele Jugendliche, die zwischen 2010 und 2014 fünfzehn Jahre alt waren, bis zum Alter von 25 Jahren einen ersten Abschluss auf der Sekundarstufe II erwerben. Dazu zählen die Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis, das eidgenössische Berufsattest sowie sämtliche Maturitäten. Die Zahlen erlauben einen direkten Vergleich Oltens mit den umliegenden Gemeinden im Kanton Solothurn.
Olten am unteren Ende
86 Prozent der Oltner Jugendlichen erreichen bis 25 einen Abschluss der Sekundarstufe II. Das klingt nach viel, ist im regionalen Vergleich aber der tiefste Wert. Keine andere Solothurner Gemeinde im Raum Olten, für die das BFS Daten veröffentlicht, liegt darunter.
Zum Vergleich: Trimbach, Dulliken und Schönenwerd kommen je auf 88 Prozent, Wangen bei Olten auf 90 Prozent. Die Spitze bilden die kleineren Gemeinden des Niederamts und des Gäus. Neuendorf erreicht mit 98 Prozent den höchsten Wert, gefolgt von Kestenholz mit 96 Prozent. Eine ganze Reihe weiterer Gemeinden wie Däniken, Gretzenbach, Kappel, Niedergösgen, Lostorf und Erlinsbach liegt bei 94 Prozent. Olten liegt damit auch klar unter dem Solothurner Kantonsschnitt von 92,5 Prozent und unter dem schweizerischen Mittel von 91,7 Prozent.
| Gemeinde | Sek-II-Quote | Maturitätsquote |
|---|---|---|
| Neuendorf | 98 % | 34 % |
| Kestenholz | 96 % | 30 % |
| Erlinsbach (SO) | 94 % | 40 % |
| Lostorf | 94 % | 38 % |
| Däniken | 94 % | 26 % |
| Gretzenbach | 94 % | 32 % |
| Kappel (SO) | 94 % | 26 % |
| Niedergösgen | 94 % | 32 % |
| Hägendorf | 92 % | 24 % |
| Egerkingen | 90 % | 24 % |
| Wangen bei Olten | 90 % | 38 % |
| Trimbach | 88 % | 24 % |
| Dulliken | 88 % | 24 % |
| Schönenwerd | 88 % | 26 % |
| Olten | 86 % | 40 % |
| Kanton Solothurn | 92,5 % | 34,5 % |
| Schweiz | 91,7 % | 41,9 % |
Bei der Maturität gehört Olten zur Spitze
Beim zweiten Indikator kehrt sich das Verhältnis um. 40 Prozent der Oltner Jugendlichen erwerben bis 25 eine Maturität, sei es gymnasial, berufsbegleitend oder als Fachmaturität. Das ist der höchste Wert der Region, gleichauf mit Erlinsbach (SO), und liegt weit über dem Kantonsschnitt von 34,5 Prozent.

Knapp dahinter folgen Wangen bei Olten und Lostorf mit 38 Prozent. Der grosse Teil der übrigen Gemeinden bewegt sich zwischen 24 und 32 Prozent, also deutlich tiefer. Während im Niederamt und im Gäu also viele Gemeinden eine hohe allgemeine Abschlussquote, aber eine eher tiefe Maturitätsquote aufweisen, ist es in Olten genau umgekehrt: tiefe Gesamtquote, hohe Maturitätsquote.
Maturitätsquote hoch – aber auch junge Menschen ohne Schulabschluss auf Sekundarstufe II
Die Kombination ist typisch für eine Zentrumsstadt mit Kantonsschule. Ein vergleichsweise grosser Teil der Jugend schlägt den gymnasialen Weg ein, was die hohe Maturitätsquote erklärt. Gleichzeitig erreicht ein grösserer Anteil als in den umliegenden Wohngemeinden bis 25 gar keinen Sek-II-Abschluss. Solche Zentren ziehen eine sozial durchmischtere Bevölkerung an als die ländlicheren Nachbargemeinden, in denen der Anteil gut integrierter Familien mit klaren Ausbildungswegen höher liegt.
Olten zeigt damit ein Bildungsprofil, das sich von seinem Umland unterscheidet: stärker polarisiert, mit einer ausgeprägten akademischen Spitze und zugleich einer grösseren Gruppe, die ohne formalen Abschluss bleibt. Für die Stadt ist vor allem der zweite Befund von Interesse, denn jeder siebte junge Mensch in Olten erreicht bis 25 keinen Berufs- oder Schulabschluss auf der Sekundarstufe II.
Offene Frage bleibt, welche Quartiere wie abschneiden
Die BFS-Daten reichen für Olten nicht bis auf die Quartierebene. Anders als bei den grössten Schweizer Städten bildet Olten in der Statistik eine einzige Raumeinheit. Ob es zwischen den Stadtteilen, etwa links und rechts der Aare oder zwischen Hammer, Säli und Kleinholz, deutliche Unterschiede gibt, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen. Erfahrungsgemäss dürfte die Spannweite innerhalb der Stadt grösser sein als der ohnehin schon auffällige Abstand zu den Nachbargemeinden.
Quelle: Bundesamt für Statistik, «Räumliche Verteilung des Erwerbs eines Abschlusses der Sekundarstufe II», Ausgabe 2026. Betrachtete Kohorten: 15-Jährige der Jahre 2010 bis 2014, Beobachtungszeitraum 10 Jahre. Berücksichtigt sind ausschliesslich Solothurner Gemeinden im Raum Olten mit publizierten Werten.