Prix Velo: Stadt Olten meldet Verbesserung und bleibt doch ungenügend
Die Stadt Olten wertet ihr Abschneiden in der nationalen Veloumfrage von Pro Velo als leichte Verbesserung. Der detaillierte Bericht zum Prix Velo Städte 2025 zeigt ein anderes Bild. Die Gesamtnote 3.7 bleibt ungenügend, in der Grössenklasse der Städte unter 30’000 Einwohnerinnen und Einwohnern liegt Olten auf Rang 22 von 32.
Gemäss Medienmitteilung der Stadt Olten vom 2. Juli 2026 hat sich die Durchschnittsnote von 3.6 auf 3.7 verbessert. Das stimmt. Was die Stadt nicht schreibt: Pro Velo bezeichnet diese Note im Bericht ausdrücklich als ungenügend. Der schweizweite Durchschnitt liegt bei 3.9, die beste Stadt der Grössenklasse, Burgdorf, erreicht 4.4. Auch die Einordnung des Fortschritts fehlt. Sieben von zwölf Städten der Grössenklasse mit Vergleichswerten haben sich um 0.1 Punkte oder mehr verbessert, Thalwil um 0.4, Aarau und Münsingen um je 0.3. Olten bewegt sich mit plus 0.1 im Gleichschritt mit der Konkurrenz und verkleinert den Rückstand nicht.
Auffällig ist die Aussage der Stadt, die Unterschiede zwischen den Städten seien gering und alle bewegten sich in einem kleinen Range rund um die Note 4, also genügend. Der Bericht zeigt das Gegenteil. In der Grössenklasse reicht die Spanne von 3.4 in Sierre bis 4.4 in Burgdorf, also ein voller Notenpunkt. Und weder die Oltner Note 3.7 noch der Landesdurchschnitt von 3.9 sind genügend. Schweizweit erreichen nur 18 von 56 bewerteten Städten die Note 4. Pro Velo Präsidentin Delphine Klopfenstein Broggini sprach bei der Publikation der nationalen Resultate von einem harten Urteil der Velofahrenden über die unzureichende Veloinfrastruktur.
Teilnehmerzahl stimmt nicht mit dem Bericht überein
In der Medienmitteilung heisst es, 2021 hätten 184 Personen an der Befragung teilgenommen. Diese Zahl stimmt nicht mit dem Bericht von Pro Velo überein. Dieser weist für Olten im Jahr 2021 an zwei Stellen 230 vollständige Bewertungen aus, für 2025 deren 388. Die Stadt übernimmt in ihrer Mitteilung für 2025 exakt diese Berichtszahl von 388, nennt für 2021 aber einen Wert, der im Oltner Bericht nirgends als Teilnehmerzahl der Stadt erscheint. Unabhängig davon ist die Beteiligung bemerkenswert hoch. Mit 2.0 Prozent der Bevölkerung verzeichnet Olten die zweithöchste Teilnahmequote der ganzen Grössenklasse, nur Burgdorf liegt darüber. Das Urteil der Velofahrenden stützt sich damit auf eine breite Basis.
Nachbarstädte fahren in einer anderen Liga
Den regionalen Vergleich erwähnt die Stadt mit keinem Wort. Solothurn erreicht die Note 4.1 und Rang 5 der Grössenklasse, Aarau die Note 4.0 und Rang 7. Beide Nachbarstädte arbeiten mit vergleichbaren Voraussetzungen und schneiden deutlich besser ab. Hinter Olten liegen in der Grössenklasse nur noch fünf Städte, darunter Martigny, Montreux und Sierre. Im nationalen Ranking belegt Olten Platz 38 von 56.

Sicherheit stagniert, Diebstähle nehmen zu
Die Stadt räumt Handlungsbedarf bei der Sicherheit ein. Wie gravierend die Lage ist, zeigt erst der Bericht. Die Kategorie Sicherheit erhält mit 3.3 exakt dieselbe Note wie 2021, obwohl die Stadt 2023 den Masterplan Velo verabschiedet hat. National liegt die Sicherheitsnote bei 3.6, Olten liegt also selbst in der schweizweit schwächsten Kategorie klar unter dem Mittel. Die schlechteste Einzelnote im ganzen Bericht betrifft die Aussage, es gebe keine gefährlichen Orte und Kreuzungen: Note 2.8. Die Freitextantworten benennen die bekannten Schwachstellen, allen voran die schlechte Verbindung der beiden Stadtseiten und fehlende abgegrenzte Velospuren auf den kantonalen Hauptachsen.

Ganz ausgeblendet hat die Stadt zwei weitere Befunde. 17.3 Prozent der Oltner Befragten wurde in den letzten zwölf Monaten ein Velo gestohlen, national sind es 9.4 Prozent. Auch Vandalismus an Velos nimmt zu: 13.4 Prozent waren betroffen, 2021 waren es 8.7 Prozent. Positiv fällt einzig die Unfallbetroffenheit aus, die mit 9.8 Prozent unter dem nationalen Wert von 13.2 Prozent liegt.
Konkrete Besserung erst auf lange Sicht
Echte Fortschritte gibt es beim Stellenwert des Velos. Die Kategorie verbesserte sich um 0.3 auf 3.4 Punkte, die Velofahrenden nehmen die Bemühungen der Behörden also durchaus wahr. Das Wegnetz erreicht mit 4.1 als einzige Kategorie eine genügende Note. Für die Zukunft verweist die Stadt auf das Agglomerationsprogramm der fünften Generation mit Massnahmen wie der Öffnung des Winkels. Der genannte Zeithorizont relativiert die Ankündigung allerdings: Der kantonale Velonetzplan und der kommunale Masterplan Velo sollen bis zum Jahr 2045 schrittweise umgesetzt werden. Die Velofahrenden von heute brauchen also Geduld. Die nächste Umfrage von Pro Velo folgt in vier Jahren.
Der detaillierte Bericht ist auf der Webseite der Stadt Olten unter Download verfügbar.